
Ehrenamtliches Engagement im Fokus der Sozialdemokraten
Es ist nicht nur eng auf dem Areal des THW-Ortsvereins. Auch die räumlichen Bedingungen lassen viel Luft nach oben. Trotzdem, so das Fazit des Besuchs von MdB Martin Gerster, der zugleich auch Präsident der Bundesvereinigung des THW ist, steht es um andere der insgesamt 668 deutschen Ortsverbände weitaus schlechter.
Eingeladen wurde Gerster von SPD-Gemeinderatsmitglied Werner Henn. Vor ein paar Jahren schon hatte Henn seine Kontakte in die Spitze der Bundesvereinigung spielen lassen und damit Unterstützung bei der Beschaffung von technischem Equipment und Aufrüstung des Fuhrparks erreicht. Was hier in Sachen Zivilschutz geleistet werde, verdiene jede Unterstützung. Ginge es nach Gerster, so sollte ein fester Prozentsatz der Rüstungsinvestitionen in diesen Bereich fließen. Obendrein, so betonte Henn, müsse man sich vor Augen halten, dass die blauen Retter ehrenamtlich im Einsatz sind. „Wir sind dieser rührigen Truppe zu sehr großem Dank verpflichtet“, erläuterte er den Grund des Gerster-Besuchs.
Doch Hilfe bei potentiellen Bau- oder Sanierungsmaßnahmen konnte der Präsident der Bundesvereinigung des THW nicht in Aussicht stellen. Es wird vom Bundesinnenministerium Fördermöglichkeiten geben, doch sollen diese zunächst den 200 Standorten zugutekommen, die den größten Sanierungsbedarf haben. Baden-Baden gehöre nicht dazu.
Was die bereits erwähnte technische Ausstattung betrifft, gab es Positives zu berichten. „Das mit der Fahrzeugbeschaffung hat gut hingehauen“, überzeugte Gerster sich jetzt vor Ort davon, dass die Voraussetzungen zum Schutz der Zivilbevölkerung gut sind.
Dennoch hat die Sache einen gefährlichen Haken, wie ihm Michael Claus, Ortsbeauftragter der 40-köpfigen Baden-Badener Gruppe, aufzeigte. Die Lage unter dem Tausendfüßler befindet sich bei Starkregen mitten im von Hochwasser gefährdeten Gebiet. Das – so führte Claus weiter aus – drohe nicht etwa durch die unmittelbar benachbarte Oos. Bei weitem größer sei die Gefahr durch das Oberflächenwasser aus nordöstlicher Richtung, das laut Gutachten bis zu 90 Zentimeter hoch werden könne. Werde die Wörthstraße überflutet, könne das dem THW im Extremfall einen Wasserstand von rund 50 Zentimetern bescheren. Auch hier sind Probleme vorprogrammiert. Die Aktiven könnten – je nach Lage – nicht mehr zu ihren auf einer Insel gelegenen Einsatzfahrzeugen gelangen oder wären dort möglicherweise eingeschlossen. Die dort vorgehaltenen Sandsäcke würden in den Fluten versinken, noch ehe sie an die relevanten Stellen gelangen könnten. Das habe sich 1998 schmerzlich gezeigt.
Die Stadt erarbeite gegenwärtig ein neues Hochwasserschutz-Konzept, erläuterte die SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Mitzel beim Vororttermin mit Martin Gerster MdB. Dennoch sei guter Rat teuer, macht der Ortsbeauftragte Claus klar, dass sich für das THW langfristig keine räumliche Alternative abzeichne.
Ginge es nach Gerster, so würde sich der Bund mehr engagieren müssen. Es sei klar, dass in Straßen, Brücken und andere wichtige Dinge investiert werden müsse. Doch der Zivilschutz, den die „Blauen Helfer“ ehrenamtlich leisten, dürfe nicht zu kurz kommen, wenn man nun die Bundeswehr fit mache. Es wäre jetzt an der Zeit, die maroden Liegenschaften fit zu machen.
Für das THW bedeutet dies, dass es mehr Fläche braucht. 1974 hatte man das Gebäude, das ehedem als Kohleverwaltung des französischen Militärs diente, übernommen. 1992 kam die Garage hinzu. Das Grundstück selbst misst rund 3.000 Quadratmeter. Von der Lage sei es jedoch sehr gut für den Zivilschutz geeignet. Die Verkehrsanbindung sei sehr gut.
Viele Jahre könne die jetzige Situation dennoch nicht gehalten werden, da die Gebäudestruktur schön heute beim Brandschutz an seine Grenzen kommt. Gerster betonte abschließen, dass sich eine Stadt wie Baden-Baden glücklich schätzen könne, einen THW Ortsverein zu haben. Das sei nicht selbstverständlich.
Bild: Martin Gerster (Mitte)